Man kann sie weder sehen noch kaufen. Freundschaft ist das Schönste, was einem in den Bergen passieren kann.
Wir sind evolutionär darauf programmiert, dass Bewegung, frische Luft und schöne Ausblicke uns Freude bereiten. In den Bergen sind wir oft freundlicher zueinander und schließen lebenslange Freundschaften. Warum ist das so?
Jeder, der in die Berge geht, fühlt sich dort irgendwie besser, das Herz wird einem leichter. Von einer Tour kehren wir körperlich erschöpft zurück, aber gestärkt und voller Energie. Deshalb sind die Berge für die Marke Northfinder das Zentrum des Universums. Neben Freude und Energie schenken die Berge auch eine gewisse unbezahlbare Sache, die zwar kostenlos ist, aber für kein Geld der Welt gekauft werden kann.
Freundschaft. Aufrichtig, gegenseitig und harmonisch
Genauer gesagt bieten die Berge die perfekten Bedingungen, um neue Freundschaften zu schließen. Gleichzeitig leben alte, vertraute Beziehungen durch neue Erlebnisse wieder auf, denen die Berge eine ganz eigene Bedeutung verleihen.
Wertvolle Freundschaften vermitteln ein Gefühl der Erfüllung, Beständigkeit und des Verständnisses. Wir brauchen sie in diesen hektischen Zeiten, denn obwohl wir in häufigem Kontakt stehen, sind wir seltener wirklich zusammen. Selbst in wissenschaftlichen Kreisen wird immer öfter davon gesprochen, dass in den Menschen ein Gefühl der langfristigen Einsamkeit wächst. Das Problem wird so dringlich, dass einige Länder versuchen, systemische Lösungen zu finden, da langfristige Einsamkeit die körperliche und geistige Gesundheit des Menschen beeinflusst.
Ein Ausflug in die Natur ist eine hervorragende Möglichkeit, Einsamkeit zu bewältigen und gleichzeitig eine Gelegenheit, interessante Menschen kennenzulernen, mit denen man gemeinsame Interessen teilt. Aber haben Sie sich jemals gefragt, warum wir in den Bergen freundlicher und verständnisvoller zueinander sind und offener für Beziehungen, die ein Leben lang halten können?
Wir haben dieses Thema mit den Augen von Fero Mrázik betrachtet, einem Bergführer, dem Vorsitzenden der Freiwilligen beim Tatra-Bergrettungsdienst (Tatranská horská služba) und Botschafter der slowakischen Marke Northfinder und Lucia Pružinská, Psychologin und Psychotherapeutin.
Wir sind so programmiert, dass wir uns in den Bergen wohlfühlen
Im Trubel der täglichen Verpflichtungen, Sorgen und des Stresses ist es schwer, neue Freundschaften zu schließen, obwohl wir gerade dann eine freundliche Seele am meisten gebrauchen könnten. Damit eine Freundschaft entstehen kann, braucht es Zeit, Raum und die richtige innere Einstellung. Und genau die Berge bieten hierfür die Gelegenheit. Sie ermöglichen es einem, lockerzulassen, zur Ruhe zu kommen, Abstand zu gewinnen und sich anderen Menschen gegenüber zu öffnen. Das ist in uns allen tief verwurzelt. Auch unsere Vorfahren mussten mit Stress, Angst oder alltäglichen, banalen Sorgen fertig werden. Bevor es all die Branchen gab, die sich um unser Wohlbefinden kümmern, uns Unterhaltung bieten und dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen, gab es nur die schönen Aussichten, Sonnenuntergänge, den Mond und die Sterne, bei denen man Trost und Ruhe finden kann.
„In den Bergen ist unser Geist nicht belastet, weil er sich in einer Umgebung befindet, in der er sich natürlich fühlt. Im Alltag nehmen wir ständig etwas auf... Neue Informationen, Nachrichten, eine Menge unnötiger Dinge. Wir schaffen es nicht, abzuschalten und dem Geist eine Pause zu gönnen. Ich habe im Alter von 15 Jahren angefangen, intensiver in die Berge zu gehen. Von Reife kann man da kaum sprechen. Aber schon damals wurde mir bewusst, dass all meine Probleme und Sorgen unten bleiben, wenn ich in die Berge gehe. In den Bergen kommt nur die reine Essenz des Lebens an, befreit von Ballast, sozialen Rollen und Hierarchien. Nicht ohne Grund sagt man in östlichen Kulturen, dass trübes Wasser nur durch Ruhe geklärt werden kann. Unten verfallen wir in Routine, konzentrieren uns oft auf Dinge, die direkt vor uns liegen, und uns fehlt die Distanz“, beschreibt Fero.
Laut Lucia kann die Natur alle Sinne angenehm stimulieren, ohne dabei den Geist zu belasten. Wir gewinnen eine Ruhe zurück, die uns in der Realität verankert. Wissenschaftliche Studien belegen, dass dabei der Cortisolspiegel (das Stresshormon) im Körper sinkt.
Im Alltag fällt es schwer, abzuschalten. Bei der Arbeit haben wir To-do-Listen, deren Sinn wir oft nicht verstehen oder der uns von Anfang an nicht klar ist. Wir filtern riesige Mengen an Informationen, Nachrichten und Telefonaten. Und nach der Arbeit verfallen wir wieder in die Routine der partnerschaftlichen, elterlichen und sonstigen Verpflichtungen. Es ist schwer, Raum für andere zu finden, wenn wir nicht genug davon für uns selbst haben.
Beim Aufstieg in die Berge ändert sich alles. Wir fühlen uns sicher und haben nur noch ein Ziel vor Augen. Ganz gleich, ob es der Gipfel, die Lieblingshütte, eine Mahlzeit oder ein paar Kilometer im nahegelegenen Wald sind. Genau dann ist die Zeit, in der wir alles vergessen und uns anderen Menschen gegenüber öffnen können.
Sie geben uns das Gefühl, wie klein wir sind
In der Stadt steht der Mensch im Mittelpunkt. Alles ist auf unsere Bequemlichkeit ausgerichtet und soll uns Zeit sparen. Es fällt uns leicht, uns zu orientieren, wir finden immer irgendwo Unterschlupf, und der sichere Hafen des eigenen Zuhauses ist stets in greifbarer Nähe. Wenn eines dieser Dinge fehlt, spüren wir Anspannung, Stress und Wut. Wenn wir jedoch auf einem Gipfel stehen, in der Ferne kilometerlange Gebirgsketten sehen, das Tosen eines Wasserfalls hören oder einen See bewundern, in dem sich die Felsen spiegeln, dann empfinden wir pures Staunen.
Etwas Ähnliches, jedoch in einer extremeren Form, wurde auch bei Astronauten beobachtet, die die Erde aus dem Orbit betrachten. Sie sehen einen Planeten voller Leben, umgeben von einer hauchdünnen Atmosphärenschicht inmitten der unendlichen Leere, was das gesamte Wertesystem buchstäblich auf den Kopf stellt. Ähnliche Gefühle, wenn auch in einem anderen Maßstab, können uns in den Bergen begleiten.
„Es ist eine interessante Emotion, die eine transformative Wirkung auf den Menschen hat und unsere Wahrnehmung der Welt verändern kann. Wenn wir uns in der Nähe von schönen und atemberaubenden Dingen befinden, angesichts derer wir uns nicht mehr so groß fühlen, kommt unser bescheideneres und demütigeres >Ich< zum Vorschein“, ist Lucia überzeugt.
„Meiner Meinung nach ist es kein Zufall, dass sich all die Klöster und Tempel, in die Menschen reisen, um zu meditieren, zu beten und nach Antworten zu suchen, gerade in den Bergen befinden“, fügt Fero hinzu.
Sie testen uns und stärken die Bindungen
„Wenn Menschen in eine lebensbedrohliche Situation geraten oder ihre Gesundheit auf dem Spiel steht, entsteht zwischen ihnen eine sehr starke Bindung. Wir verlassen unsere Komfortzone und zeigen unseren wahren Charakter, unsere Entschlusskraft, unsere Handlungsfähigkeit und wie wir mit schwierigen Situationen umgehen. In solchen Momenten zeigt sich wirklich, ob wir mit dieser Person zusammen sein wollen oder ob wir bereit für weitere Herausforderungen sind. Schwierige Erfahrungen stählen die Menschen zweifellos physisch wie psychisch und stärken gleichzeitig die Beziehungen“, bemerkt Fero.
Wie er sagt, lehren solche Situationen mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung auch gegenseitige Empathie. „Wir sind in der Lage, die Dinge nicht nur mit unseren eigenen Augen zu sehen, sondern uns auch in den anderen hineinzuversetzen. Es gibt nämlich Situationen, die einen Menschen lange beschäftigen können. Mit der Zeit entwickeln wir die Fähigkeit, einen Kollegen nicht – auch nicht unabsichtlich – an eine Situation zu erinnern, die er noch nicht verarbeitet hat. Leider kommt es vor, dass eine ganze Gruppe nicht zurückkehrt. Das sind Erfahrungen, die uns prägen. Empathie lehrt uns, wie wir uns gegenüber der anderen Person verhalten und was wir sagen sollten, um das Trauma nicht wieder heraufzubeschwören“, erklärt Fero.
Doch der Aufbau zwischenmenschlicher Bindungen hat auch eine physiologische Grundlage. Maßgeblich dafür verantwortlich ist ein Hormon namens Oxytocin. „Es wird manchmal auch als Liebeshormon bezeichnet, da es dafür sorgt, dass Bindungen zwischen Menschen entstehen. Es motiviert uns dazu, so zu handeln, dass sich die Menschen, die uns nahestehen, bei uns sicher fühlen“, ergänzt Lucia.
Ruhe, die Barrieren überwindet
Im Alltag hat jeder eine Rolle zu erfüllen, sei es unser Beruf, die Elternschaft oder soziales Engagement. „In der Natur oder in den Bergen spielen unsere Rollen keine Rolle, die Unterschiede zwischen den Menschen verschwinden oder werden weniger wichtig. Man könnte sagen, dass in den Bergen jeder zu Adam und Eva wird“, sagt Lucia.
Das bestätigen auch Feros Worte. „Wenn ich mit Kunden in den Bergen bin, sehe ich, dass sozialer Status, Position und Besitz an Bedeutung verlieren. Plötzlich zeigen die Menschen ihr wahres Ich. In erster Linie bin ich Fero und du bist Jožo. Und erst danach bin ich Direktor oder Elektriker“, erklärt er.
Deshalb ermutigt er die Menschen, mit denen er in die Berge geht, sich zu duzen. „Hier oben sind wir alle frei und gleich. Aber wenn wir uns unten wiedersehen, sage ich wieder ‚Guten Tag, Herr Direktor‘.“ In den meisten Fällen bewährt sich diese Regel und die Menschen akzeptieren sie – fügt er hinzu.
Auch weltanschauliche Differenzen sollte man seiner Meinung nach mit einem klaren und ruhigen Geist überdenken. „Nicht ohne Grund sagt man, dass man über etwas schlafen, einer Sache Zeit geben oder sie mit frischen Augen betrachten muss. Dadurch gewinnen wir Abstand, reagieren gelassener und können Kritik oder eine andere Meinung besser ertragen“, erklärt Fero.
Lucia fügt hinzu, dass selbst das Überwinden eines Konflikts oder einer Krise dazu beitragen kann, Bindungen aufzubauen oder zu stärken. „Wenn wir Probleme in uns hineinfressen und zulassen, dass sie sich anstauen, beginnen wir mit der Zeit, uns voneinander zu entfernen und bauen eine Barriere auf. Das passiert vor allem in Beziehungen, die uns nicht wichtig sind. Wir müssen nicht sofort in allem übereinstimmen; wichtig ist es, Interesse zu zeigen. Auf diese Weise signalisieren wir, dass uns jemand am Herzen liegt“, resümiert Lucia.








